Keine Zeit für Mama Auszeit, jede Mama kennt das
Es ist lange her, aber ich erinnere mich noch genau. Meine Kinder lagen im Bett, ich saß an meinem Wohnzimmertisch. Stift in der Hand. Ein leeres Blatt vor mir.
Ich hatte einen Artikel über Mama Auszeit gelesen.
Die Aufgabe war simpel:
Schreib auf, was dir guttut. Was du magst. Was dich glücklich macht.
Ich saß dort und starrte auf mein weißes Blatt. Und saß. Und nichts kam.
Nicht weil ich müde oder unkonzentriert war. Nicht weil ich nicht wollte. Sondern weil ich es schlicht nicht mehr wusste.
Irgendwann liefen die Tränen.
Wann war ich zuletzt einfach nur Steffi?
Nicht Mama, Partnerin, Familienmanagerin, Taxifahrerin, Krankenschwester, Köchin, Hausmädchen und Seelsorgerin meiner Familie?
Nur ich.
Wer bin ich?
Was mag Steffi eigentlich gerne?
Ich wusste es in diesem Moment einfach nicht. Ich legte den Zettel zur Seite, ging ins Bett und sagte mir: Bis morgen Abend ist mir bestimmt etwas eingefallen.
Kennst du das auch?
Am nächsten Abend holte ich den Zettel wieder hervor. Und am übernächsten. Und den ganzen Rest der Woche.
Jeden Abend, wenn die Kinder im Bett lagen, nahm ich mir ein paar Minuten zum Schreiben. Und tagsüber ließ ich den Gedanken einfach im Hintergrund laufen: Was mag Steffi eigentlich? Bei allem, was ich machte.
Und langsam, ganz langsam, kamen die Dinge.
Ich spürte wieder, welche meiner Tätigkeiten mir Freude bereiteten, wie viele schöne Momente ich mit meinen Kindern hatte. Dadurch erinnerte ich mich an Hobbys und Vorlieben aus der Vergangenheit.
Erst zögerlich. Dann mehr. Und ich merkte: Es war noch da. Steffi war noch da.
Ich hatte sie nur sehr lange nicht mehr gefragt.
Ich freute mich richtig darauf, abends all das aufzuschreiben. Aus einem Zettel wurden zwei. Daraus ein Notizbuch.
Aus dem Notizbuch wurde mein treuer Begleiter, ein Leuchtturm-Notizbuch, DIN A6, punktkariert.
Und dann erkannte ich etwas, das ich nicht erwartet hatte.
Aus der tränenreichen Erkenntnis, mich nicht mehr zu kennen, wurde langsam eine achtsamere Lebensart. Meine Freude kam zurück. Die Dankbarkeit für das, was ich hatte. Für die Momente mit meinen Kindern, die ich vorher kaum noch genießen konnte, weil ich mich selbst von einem To-do zum nächsten antrieb.
Und das Aufschreiben selbst?
Das war bereits meine Mama Auszeit geworden.
Jeden Abend. Ein paar Minuten. Nur für mich. Steffi.
Ich hatte nicht auf den perfekten Moment gewartet. Ich hatte nicht auf freie Zeit gehofft. Ich hatte einfach angefangen, mit einem leeren Blatt und einem Stift. Auch die Optik meiner Aufzeichnungen änderte sich. Die Schrift wurde durch die Übung wieder schöner und sah nicht mehr aus wie meine Einkaufszettel. Ich habe meine Vorliebe fürs Verzieren, Zeichnen und die bunten Farben wieder zurückgewonnen.
Und jetzt du.
Vielleicht sitzt du gerade hier und denkst: Ich kenne das. Ich weiß auch nicht mehr, was mir eigentlich guttut.
Dann lade ich dich ein, genau das auszuprobieren, was ich damals gemacht habe. Nimm dir einen kleinen Moment Zeit, wenn die Kinder im Bett sind. Schreibe auf einen weißen Zettel:
- Was mag ich gerne? Wobei fühle ich mich wohl und kann mich entspannen?
- Welche Momente in meinem Alltag bereiten mir Freude, auch die kleinen?
- Was habe ich früher geliebt, das ich heute vergessen habe?
Nicht weil es einfach ist. Sondern weil es sich lohnt.
Vielleicht kommen auch bei dir Tränen. Vielleicht tut es weh, genauer hinzuschauen. Vielleicht dauert es eine Woche oder sogar einen Monat.
Das ist okay. Es darf wehtun. Es darf dauern.
Lass es zu.
Aber nach dem Regen scheint die Sonne.
Und nach der Nacht kommt der Tag.
Ich verspreche dir: Dein eigenes ICH ist auch noch da. Und wartet nur darauf, dass du DICH wieder siehst, liebst und genießt.
Wie du dir deine Mama Auszeit in den Alltag holst
Du musst nicht auf den perfekten Moment warten. Du musst dir keine freie Woche nehmen. Du musst niemanden um Erlaubnis fragen.
Du fängst klein an. Heute.
Ich zeige dir sechs Dinge, die mir persönlich geholfen haben, keine großen Veränderungen, aber spürbare. Probiere sie aus, wenn du magst.
1. Schreib auf, was du magst
Das kennst du jetzt schon. Ein weißes Blatt. Ein Stift. Die drei Fragen.
Fang heute Abend an, auch wenn der Zettel erstmal leer bleibt. Auch wenn es wehtut. Auch wenn es eine Woche dauert.
Das Aufschreiben selbst ist bereits deine Mama Auszeit. Dein erster Moment nur für dich.
2. Schaffe dir einen Rahmen, auch wenn er klein ist
Fünf Minuten Tee auf dem Balkon. Eine Seite in deinem Buch. Die Lieblingsmusik beim Kochen.
Das klingt nach wenig. Ist es auch, und genau das ist der Punkt.
Mama Auszeit muss nicht groß sein. Sie muss nur regelmäßig sein.
Schau in deinen Alltag: Wo ist ein Moment, den du täglich für dich beanspruchen kannst? Nicht irgendwann. Nicht wenn die Kinder größer sind. Nicht wenn mehr Zeit da ist.
Jetzt. Heute. In diesem Alltag.
Und für die größeren Momente, plane sie. So wie du einen Arzttermin planst.
Meine Schwester macht das mit zwei anderen Mamas so. Sie nehmen sich gegenseitig die Kinder ab. Eine Mama möchte freitagabends mit einer Freundin essen gehen, ihre Kinder übernachten bei meiner Schwester. Beim Abholen am nächsten Nachmittag dürfen die Kinder meiner Schwester einfach mit und übernachten bei der anderen Mama. Und schon hat meine Schwester den Samstagabend für sich.
Kein Geld. Kein Aufwand. Nur Mamas, die füreinander da sind.
Vielleicht gibt es in deinem Umfeld auch jemanden, mit dem so etwas möglich wäre?
3. Finde dein Lieblingsritual
Ein Ritual ist nicht kompliziert. Es ist einfach etwas, das du regelmäßig tust, und das dir signalisiert: Jetzt bin ich bei mir.
Bei mir ist es der Milchkaffee auf dem Balkon. Nachmittags nach der Schule. Zu Hause ankommen. Mit der Schule für heute abschließen. Manchmal nur zehn Minuten. Aber diese zehn Minuten gehören mir. Erst danach geht es mit den Hunden raus.
Was könnte dein Ritual sein?
Vielleicht der Tee abends, wenn die Kinder im Bett sind. Ein kurzes Tagebuch schreiben. Die Lieblingskerze anzünden. Ein Bad nehmen, ohne dass jemand an die Tür klopft.
Es muss nicht besonders sein. Es muss nur deins sein.
Und wenn du es jeden Tag machst, auch nur für fünf Minuten, wirst du merken: Dieser kleine Moment gibt dir mehr Kraft, als du denkst.
4. Musik an, und los
Weißt du noch, welcher Song dich früher glücklich gemacht hat? Der, bei dem du einfach nicht stillsitzen konntest?
Leg ihn auf. Jetzt.
Musik erreicht uns auf eine Weise, die kaum etwas anderes schafft. Sie holt Erinnerungen zurück. Sie verändert die Stimmung in Sekunden. Sie macht aus deiner grauen Haushalts-Routine plötzlich etwas ganz anderes. Sing mit! Tanz!
Es sieht dich keiner!
Und das Schöne: Das geht auch mit deinen Kindern.
Macht die Küche zur Gute-Laune-Bühne und zur Tanzfläche, während das Abendessen köchelt.
Du hast Mama Auszeit, weil du loslässt, und deine Kinder haben einen unvergesslichen Moment mit dir.
Beides gleichzeitig. Ohne Aufwand. Ohne Planung.
Einfach Musik an, und los.
5. Jeden Tag an die frische Luft
Das klingt selbstverständlich. Ist es aber oft nicht.
Gerade an vollen Tagen, wenn die To-do-Liste lang ist und die Zeit knapp, bleibt der Gang nach draußen als Erstes auf der Strecke.
Dabei ist es eines der einfachsten Dinge, die du für dich tun kannst.
Frische Luft. Tageslicht. Bewegung. Dein Kopf wird freier, deine Stimmung besser, fast automatisch.
- Die Tasse Tee oder eine Mahlzeit auf dem Balkon oder auf der Terrasse.
- Ein kleiner Spaziergang allein in der Natur. Einmal durch die Siedlung. Fünf bis zehn Minuten reichen manchmal schon.
- Fahre 20 Minuten vor der eigentlichen Abholzeit zum Kindergarten und gehe noch ein Stück. Ohne Handy und ohne Stöpsel mit Musik im Ohr. Einfach nur du und die Geräusche des Umfeldes.
- Ein Spaziergang mit den Kindern zum Spielplatz.
- Vielleicht hat eine weitere Mama mit Kindern Zeit und Lust mitzukommen.
- Gemeinsames Toben im Garten.
- Ein Verdauungsspaziergang mit der ganzen Familie nach dem Abendessen.
Und wenn es regnet?
Oder kalt ist?
Oh nein!
Wie gut, dass es Klamotten gibt 😉 Manchmal ist ein Spaziergang im Regen mit den Kindern und gemeinsames Pfützenspringen ein riesiger Spaß und das beste Mittel, um aus deinem Hamsterrad auszubrechen. Ihr könnt euch anschließend umziehen und einen warmen Kakao trinken. Daran werden deine Kinder sich lange erinnern.
Und du auch!
6. Den Alltag bewusst genießen
Die Momente sind schon da. Schau genau hin, lass sie zu und genieße sie.
Die Umarmung deines Kindes, die es dir einfach so gibt. Nimm dir die Zeit und erwidere sie.
Die verschmierten Gesichter, wenn die Kinder ihre geliebten Nudeln mit Tomatensoße sichtlich genießen. Freu dich, dass es so gut schmeckt und ärgere dich nicht über Flecken.
Der besonders schöne Stein, den dein Kind für DICH gefunden hat. Das ist ein liebevolles Geschenk! Halte keine Moralpredigt über Hosentaschen voll Steine und die Waschmaschine.
Das friedlich schlafende Kind abends, wenn du noch einmal kurz reinschaust. So entspannt. So ruhig. Es fühlt sich bei dir geborgen. Auch wenn es dich heute waaaahnsinnig gemacht hat. Ist das nicht das schönste Geschenk in deinem Leben? Dein Kind.
Diese Momente kosten nichts. Sie brauchen keine Planung. Keine freie Stunde. Keine perfekten Umstände.
Sie sind einfach da.
Aber du musst hinschauen, um sie wirklich zu sehen.
Und genau das ist vielleicht das Schönste, was die Suche nach deiner Mama Auszeit mit sich bringt: Du fängst an, langsamer zu werden. Aufmerksamer. Und du merkst, das Leben ist schön. Auch als Mama. Besonders als Mama.
Du musst nicht alles auf einmal ändern.
Fang mit einem Zettel an. Heute Abend, wenn die Kinder im Bett sind.
Wenn dich das Thema Mental Load gerade mehr beschäftigt, als du zugeben magst, dann lies gern noch meinen Artikel dazu: Wenn der Kopf nicht aufhört zu arbeiten, Mental Load bei Mamas
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Ich wünsche dir zauberhafte Momente. Als Mama. Und als du.
Deine Steffi 🧚♀️

