Ein Schnorchel. Eine Taucherbrille. Und der glücklichste Tag des Sommers.
Ich sitze auf unserer Terrasse.
Kleines Mobilheim. Großer Campingplatz. Kroatien.
Vor mir das Meer. Das Rauschen. Die Inseln am Horizont. Unsere beiden Hunde schlafen im Schatten.
Mein Mann liegt in der Hängematte.
Und ich denke: Das ist der schönste Urlaub meines Lebens.
Nicht wegen Kroatien. Nicht wegen des Meeres. Nicht wegen des Mobilheims, das wirklich klein, aber fein war.
Wir kennen auch andere Urlaube. Mit Dresscode beim Abendessen. Mit vollem Animationsprogramm. Mit fünf Sternen und allem, was dazugehört. Erholt haben wir uns dort nicht halb so gut.
Sondern weil wir beide einfach keine Aufgaben hatten. Zum ersten Mal seit Jahren.
Kein Laptop. Keine Liste. Kein Müssen. Kein Funktionieren.
Nur sitzen. Schauen. Die Sonne genießen. Das Meeresrauschen hören. Lesen. Reden. Schlafen.
Und wir waren so schnell, so vollständig tiefenentspannt, dass es mich selbst überrascht hat.
Die zwei Jungs mit der Taucherbrille
Von unserer Terrasse aus hatte ich den ganzen Tag die Familien auf dem Weg und am Strand im Blick.
Und da waren diese zwei Jungs.
Ich hörte sie, bevor ich sie sah. Der eine rief dem anderen zu:
„Hey, komm! Lass uns wieder Tiere beobachten!“
Sie schnappten sich ihre Schnorchel und Taucherbrillen und … platsch … waren sie schon im Wasser. Für Stunden sah ich nur ihre Rücken und Hinterköpfe mit dem Schnorchel. Immer wieder abgetaucht und aufgetaucht, um begeistert zu rufen:
„Guck mal! Hier ist eine Schnecke!“
„Mama! Hier ist ein Riesenfisch! Das glaubst du gar nicht. Und so viele kleine.“
„Komm mal her, guck dir die Muscheln an!“
Kein Streit zwischen den Jungs. Keine Langeweile.
Kein „Darf ich ans Handy?“
Kein „Ich will aber was anderes machen.“
Nur Begeisterung. Stundenlang.
Und der Vater? Lag den ganzen Tag entspannt auf dem Rücken. Hat geschlafen. Die Mutter saß so, dass sie das Wasser im Blick hatte. Mal angelehnt an die Mauer. Mal vorne an der Wasserkante: ruhig, präsent, aber ohne irgendetwas organisieren zu müssen.
Was hatten die Jungs dabei?
Eine Taucherbrille. Einen Schnorchel. Mehr nicht.
Abends die Roller-Gruppen
Wenn die Sonne tiefer stand, wurden die Kinder auf dem Campingplatz nicht weniger. Im Gegenteil.
Gruppen von Kindern auf Rollern oder zu Fuß. Lachen. Rufen. Freiheit.
Mein Mann und ich haben uns angeschaut und gesagt: Wie schön ist das denn?
Die hatten sich wahrscheinlich erst am Nachmittag kennengelernt, und abends waren sie schon eine Gruppe. Kein Erwachsener, der das organisiert hatte. Kein Programm. Nur Kinder, die Kinder sein durften.
Und die Teenies? Auch sie waren in Gruppen unterwegs. Mädchen. Jungen. Kleine Kennenlern-Situationen mit verschiedenen Sprachen.
Ein einfacher Rahmen: Ihr bleibt auf dem Campingplatz und kommt um diese Zeit nach Hause.
Das war alles, was sie brauchten.
Was mich das gelehrt hat
Ich saß auf meiner Terrasse, hörte in mich hinein, sah meinen entspannten Mann und meine zufriedenen Hunde. Beobachtete den ganzen Tag Paare und Familien.
Es war keiner gestresst. Keiner stritt herum. Handys wurden zum Fotos machen rausgeholt und dann wieder verstaut.
Mir wurde etwas sehr klar:
Wir brauchen nicht immer mehr. Kinder brauchen nicht mehr. Sie brauchen weniger.
Weniger Programm. Weniger Unterhaltung. Weniger Termine. Weniger Mamas oder Papas, die animieren, organisieren, bespaßen.
Und wie läuft es Zuhause? Im Alltags-Wahnsinn?
Ich sehe das jeden Tag am Schultor.
Kinder, die gerade noch zusammen gespielt haben und sich kaum verabschieden können, weil es sofort weitergeht. Sie wollen fragen, ob sie nicht noch weiterspielen können. „Darf Lisa mit zu mir?“ Nein! Die große Schwester muss zum Training. Du hast jetzt Klavier. Wir müssen schnell zu Oma.
Eine spontane Verabredung? Geht in den seltensten Fällen. Für alles muss man sich verabreden und gemeinsame Termine finden.
Das Gebastelte oder Gemalte wird kurz entgegengenommen, und dann ist keine Zeit mehr, es wirklich anzuschauen.
Um 15:30 Uhr, auf dem Weg nach Hause, durch viele 30-Zonen: Ich sehe gar keine Kinder, die gemeinsam auf der Straße spielen.
Wo sind die alle?
Sie wollen raus und spielen. Bewegung. Frische Luft. Raum. Freiheit. Und die Möglichkeit, selbst zu entdecken, was sie begeistert.
Und wir Erwachsenen? Eltern? Papas? Mamas? Wir brauchen dasselbe.
Ich war im Urlaub entspannt, weil ich keine Aufgaben hatte.
Mein Mann war entspannt, weil er keine Aufgaben hatte.
Die Mama der Taucherbrillen-Jungs war entspannt, weil sie keine Aufgaben hatte.
Der Vater schlief, weil er keine Aufgaben hatte.
Einfachheit entspannt. Immer. Überall.
Und jetzt? Wir können ja nicht alle für immer Urlaub in Kroatien machen.
Ich weiß. Ich auch nicht.
Aber ich habe auf dieser Terrasse angefangen zu überlegen: Was davon kann ich mitnehmen? Was davon können Familien mit Kindern mitnehmen?
Hier sind vier Dinge, die zu mehr Entspanntheit und Lebensfreude führen:
1. Platz für freie Zeiten lassen. Auch im Alltag.
Schau, was passiert, wenn ein Nachmittag einfach frei ist: ohne Plan, ohne Ziel. Kinder wissen oft selbst, was sie damit anfangen. Manchmal brauchen sie ein bisschen, bis sie ankommen. Dann kommen die Ideen.
2. Langeweile zulassen, aushalten und wirken lassen.
„Mir ist langweilig“ ist bei Kindern kein Notfall! Es ist der Moment, kurz bevor das kreative Spiel beginnt. Eltern müssen das nicht lösen. Sie dürfen einfach sagen: „Ich bin sicher, dir fällt was ein.“ Und dann abwarten.
3. Raus an die frische Luft. Jeden Tag. Egal wie.
Frische Luft, Bewegung, Tageslicht: Das macht Kinder und auch uns Erwachsene glücklich und müde. Zufrieden müde. Wir haben nicht immer das Meer und die Sonne zum Schnorcheln, aber wir haben Wälder, Wiesen, Rad- und Wanderwege, Spielplätze, Gärten, Straßengräben, Bäume, Parks oder ein Bachbett hinter dem Feld.
4. Die Becherlupe rausholen.
Ihr müsst nicht nach Kroatien fahren, um Tiere zu beobachten. Eine Becherlupe, so ein kleines Glas mit Lupe obendrauf, und schon werden Gärten, Wege und Wiesen zum Abenteuer. Schnecken, Käfer, Spinnen. In ganz groß. Für Kinder ist das genauso aufregend wie Fische und Muscheln im Meer.
Es braucht nicht viel.
Wir haben zu zweit in einem kleinen Mobilheim aus zwei Koffern gelebt. Auf einer kleinen Terrasse. Mit zwei Hunden.
Und es war der schönste Urlaub unseres Lebens.
Und die zwei Jungs mit der Taucherbrille? Die hatten den glücklichsten Tag des Sommers mit dem, was sie gerade hatten.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Vielleicht ist das die wichtigste Erziehungslektion, die ich je auf einer Terrasse gelernt habe.
Du bist nicht allein mit dem Gefühl, dass der Alltag manchmal zu voll ist. Wenn du magst, schreib mir, ich freue mich über jede Nachricht: stefanie.mau@alltagszauberin.de
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Und wenn du jeden Montag einen kleinen Impuls möchtest, genau für solche Momente, nur für dich, dann trag dich hier ein.
Ich wünsche dir zauberhafte Momente. Als Mama. Und als du.
Deine Steffi 🧚♀️

