Als Alleinerziehende kam ich mir morgens manchmal vor wie ein Feldwebel
Befehl und Gehorsam. Rauer Ton, laute Kommandos, im Minutentakt.
„Anziehen! Zähne putzen! Schuhe an!“
Bis ich innehielt und dachte: Das bin ich eigentlich nicht. So eine Mama will ich nicht sein.
Mit was für einem Gefühl gehen wir eigentlich jeden Morgen auseinander? Wie fühlen sich meine beiden, wenn sie zur Schule und in den Kindergarten gehen, angetrieben statt entspannt verabschiedet?
Also hab ich mir eine Frage gestellt: Wie kann ich das ändern? Was können wir machen, damit der Morgen entspannter wird?
Ich hab genau hingeschaut. Was waren die größten Streitpunkte? Welche tauchten immer wieder auf?
Diskussionen über die Kleidung, „Mama, ich finde mein … nicht!“ Ein leeres Marmeladenglas, das plötzlich für den Kunstunterricht gebraucht wurde. „Mama, ich muss mich fertigmachen, und er trödelt extra im Bad!“ Wo sind eure Trinkflaschen? Wer hat seine Brotdose gestern nicht abgegeben?
Da kam mir die Idee: Das müssen wir nicht jeden Morgen im Stress klären. Einen Großteil können wir abends in Ruhe erledigen.
Und der wichtigste Teil der Antwort war gar nicht „ich bereite alles perfekt vor“. Es war: Die Kinder übernehmen das selbst.
Nicht ich hab abends in die Taschen geschaut, das jeweilige Kind hat die Postmappe geleert, die Brotdose rausgeholt, die Trinkflasche ausgespült. Die Kleidung suchten wir gemeinsam am Vorabend aus. Morgens gingen die Kinder einzeln ins Bad, erst die Große, dann der Kleine, kein Gedränge.
Das hat sich nicht von heute auf morgen entwickelt. Aber je mehr wir vorbereitet hatten, desto schöner wurde der Morgen, für uns alle.
Einige Abläufe klappten richtig gut. Für die, die noch schwierig waren, hab ich kleine Ablauf-Bildchen gemalt.
Wir wurden immer besser, immer entspannter.
Ich konnte wieder Mama sein.
Warum trödelt mein Kind ausgerechnet morgens?
Und trotzdem kenne ich auch die andere Seite, die Morgen, an denen es kracht, egal wie gut vorbereitet ist.
Der Vierjährige matscht seelenruhig mit dem Wasser im Waschbecken, statt Zähne zu putzen. Die Sechsjährige zieht weinend ihr Sommerkleid über den dicken Winterpullover. In der Brotdose liegt Apfel statt Gurke, Weltuntergang. Die Uhr tickt. Die Nerven reißen. Du wirst laut.
Hand aufs Herz: Das Kind trödelt morgens, ausgerechnet dann, wenn’s eilig ist. Warum eskaliert es fast immer genau in diesem Moment? Und der Morgen endet schon wieder im Frust und Chaos.
Warum das Trödeln keine Absicht ist
Unsere Kinder wachsen in einer extrem durchgetakteten Welt auf. Feste Zeiten in der Kita, Termine, Einkäufe, das Training vom Geschwisterkind, zu dem alle mitmüssen.
Wie viele Kinder kennen heute noch echte, freie Langeweile? Einfach im Garten mit Wasser spielen, ohne dass Mama ruft: „Mach dich nicht nass, wir müssen gleich los!“
Wenn das kindliche Nervensystem nie Zeit zum Runterfahren hat, reagiert es genau wie unseres: mit Überforderung.
Das Trödeln im Flur ist keine Absicht. Es ist die Notbremse des kindlichen Gehirns, weil das Tempo zu hoch ist.
Dein Fahrplan, wenn dein Kind morgens trödelt
Wenn es morgen früh eskaliert: Atme durch. Schimpfen beschleunigt den Strudel nur.
Und geh diese Woche in die Beobachtung, so wie ich es damals gemacht habe: Wann hat dein Kind am Tag wirklich mal Zeit, ganz ohne Zeitdruck das zu tun, was ihm guttut? Trödelt dein Kind morgens vor allem an bestimmten Tagen, oder immer, wenn eine bestimmte Aufgabe ansteht? Und wo genau, wie bei uns mit der Kleidung oder den Brotdosen, wiederholen sich eure Streitpunkte jeden Morgen aufs Neue?
Unsere abendliche Vorbereitung hat den größten Teil des morgendlichen Drucks weggenommen. Aber ganz ehrlich, spurlos verschwindet Stress nie ganz. Und wenn ich dann genervt nachfrage, „Warum hast du mir das mit dem Marmeladenglas nicht gestern gesagt?“, kommt manchmal genau in diesem angespannten Moment die trotzige Antwort zurück. „Mir doch egal.“ Oder, an einem besonders schlechten Tag: „Du bist eine doofe Mama.“
Genau in diesem Moment, wenn aus Zeitdruck plötzlich Frechheit wird und dir selbst der Kragen zu platzen droht, hilft die Notbremse aus FeenStaub 01. Kein Werkzeug gegen das Trödeln selbst, sondern eines für den Augenblick, in dem du kurz davor bist, lauter zu werden, als du eigentlich willst.
Hand aufs Herz: Wie sieht euer Morgen gerade aus? Schreib es mir gerne, ungeschminkt und ohne Vorwürfe, ich lese jede Nachricht persönlich: stefanie.mau@alltagszauberin.de
Das Morgen-Chaos ist nur einer von mehreren Gründen, warum Kinder ausrasten, nicht hören oder bockig sind. In den anderen Artikeln dieser Serie schauen wir uns die weiteren Auslöser gemeinsam an.
Die ganze Serie:
1. Überreizung nach einem schönen Tag
2. Leerer Akku nach Kita und Schule
3. Lass mich, ich kann das allein
4. Das Morgen-Chaos (dieser Artikel)
5. Die Gleich-Falle (Link folgt in Kürze)
6. Der Vulkan am Nachmittag (Link folgt in Kürze)
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